März 3rd, 2010

Kinder des UMRA Orphanage Centre brauchen Ihre Hilfe

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Ihre Spende ermöglicht Schulbesuch, Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine schönere Kindheit in Tansania

Das Quietschen des rostigen, roten Tores lässt alle Kinder aufblicken. Jeder Einfluss von außen ist wahnsinnig aufregend, wenn man so beklagenswert wenig Beschäftigung hat. Das überdachte Stück Hof, in dem sich die Kinder den ganzen Tag aufhalten, ist Ess-, Spiel- und Klassenzimmer zugleich. Auf dem Boden liegen noch Reste vom Frühstück, belagert von hunderten von Fliegen. Muhadshi sitzt in einer Ecke und spielt mit einer Plastiktüte, Tapua und Subira streiten sich um eine dreckige Puppe mit aufgemalten Augenbrauen, während Valentina in einem zerfledderten Schulheft blättert. Numinu und die meisten der anderen 57 Kinder haben seit drei Tagen nicht geduscht, weil es nicht genug Wasser gibt. Es fehlt an Spielzeug und der von mächtigen Bäumen verschattete Platz vor der Haustür ist mit Scherben und Rasierklingen übersät; zusammen mit den rostigen Überresten einer Schaukel in der Ecke kein einladender Kinderspielplatz.
Es ist wieder einmal nicht leicht, das monatliche Schulgeld und die Miete für das Haus aufzubringen…

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Seit Oktober 2009 sind wir nun selbst als Freiwillige der Entsendeorganisation VIA e.V. im Rahmen des “weltwärts“-Programms für ein Jahr Teil dieses chaotischen, erlebnisreichen, aber vor allem freundlichen Waisenheims im tansanischen Dar es Salaam. Mit Ihrer Unterstützung hoffen wir, den Kindern die elementarsten Bedürfnisse ermöglichen zu können. Vieles ließe sich mit den einfachsten Mitteln verwirklichen, doch woran es fehlt, ist schlicht und einfach das Geld!

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Wasser!

Ein gutes Beispiel dafür, wie sich mit wenig Geld Grundlegendes verändern ließe, ist die Wasserversorgung des Projekts:

Derzeit wird diese hauptsächlich von den Mädchen sichergestellt, die dafür sorgen, dass der Tank nicht bis auf den letzten Tropfen trocken fällt. Dabei handelt es sich bei dem Wasser, das eimerweise auf dem Kopf herbeigetragen wird, um verunreinigtes Grundwasser aus dem Boden der Metropole Dar es Salaam mit knapp 4 Millionen Einwohnern, jedoch ohne jegliche Müllentsorgung, geschweige denn öffentlicher Wasserfilterung!

Viele Anwohner machen sich an dieser Stelle ein innovatives und kostengünstiges Mittel zur Wasserfilterung zunutze:
Ein mit einem simplen Filterstein ausgestatteter Wassertank auf einem von Stelzen getragenen Plateau verteilt mittels Unterdruck Wasser an tiefer gelegene Wasserhähne. Gespeist wird der Wasservorrat mit Hilfe einer Pumpe, die das kostbare Gut direkt aus dem städtischen Netz bezieht.   

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Ein Recht auf Bildung?

Meist reicht das Geld abzüglich Miete am Monatsende nicht annähernd aus, um allen Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu ermöglichen!
Auch wenn es in Tansania sowohl eine allgemeine Schulpflicht als auch die gesetzliche Verpflichtung zur Gewährleistung kostenlosen Zugangs zu einer staatlichen Primary School gibt, bleibt einigen Kindern dieses Privileg verwährt. Grund dafür sind die Nebenkosten, die bei der Anschaffung von Büchern, Heften und sonstigen Schulmaterialien anfallen!
Ebenso verbringen viele der Kinder, die durch das Raster des tansanischen Bildungssystems fallen, indem weder der Besuch einer weiterführenden Schule, noch einer Vorschule vorgesehen sind, viel Zeit damit, nichts zu tun oder im Haushalt zu helfen. Während die Jungs den Fußball gelegentlich gegen körperlich anstrengende Aufgaben eintauschen, haben die Mädchen neben dem Kochen und Putzen immer ein Auge auf die Kleinkinder und Säuglinge. 
Letztlich stellen diese Aufgaben jedoch bloß Maßnahmen dar, die Kinder und Jugendlichen in ihrer stundenlangen Beschäftigungslosigkeit mangels Schulplatz zur Mithilfe zu animieren. Dabei ließe sich auch dieses Problem mit wenig Geld lösen:

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Nursery School

Mit monatlich 7,50€ geben Sie einem der Kinder im Alter zwischen 5 und 7 Jahren die Möglichkeit, die nahegelegene Nursery School zu besuchen. Dabei handelt es sich um eine Art Kindergarten mit Vorschulcharakter. Mit spielerischen Methoden werden den Kindern hier erste Kenntnisse in Kiswahili, Englisch und Mathe beigebracht, zudem stehen Gemeinschaftsaktivitäten auf dem Plan und eine warme Mahlzeit am Vormittag ist im Preis inbegriffen.

Primary School

Auch wenn dieser Schultyp – am ehesten mit der deutschen Grundschule zu vergleichen – grundsätzlich als vom Staat finanzierter Mindestbildungsstandard sichergestellt werden soll, erschweren Nebenkosten den Zugang. Es fallen beispielsweise täglich Ausgaben für den Schulbus und vor allem zu Beginn des Schuljahrs Kosten für die Anschaffung von Büchern und sonstigen Materialien an.
Somit lassen sich die durchschnittlichen Mittel für einen Schüler auf 6€ pro Monat festlegen.

Secondary School

Die Secondary School steht für eine im afrikanischen Vergleich qualitative Ausbildung! Begabte Jugendliche werden auf ein mögliches Studium vorbereitet und erlangen eine passable Allgemeinbildung. Dass es sich hierbei um ein Privileg handelt, spiegelt sich im monatlichen Preis von umgerechnet 22,50€ wieder, was ganz nebenbei bemerkt fast Zweidritteln eines durchschnittlichen Gehalts in Dar es Salaam entspricht…      

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Gesundheitsfond

Wenn Sie sich als Pate dazu entschließen, den Betrag ihrer monatlichen Spende aufzurunden, fließen diese zusätzlichen Mittel in einen sogenannten Gesundheitsfond. Dieser gewährleistet, dass den Kindern im Falle akuten Behandlungsbedarfs (beispielsweise einer Malaria-Erkrankung) umgehend ärztliche Aufsicht und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung zur Verfügung stehen.
Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe Sie den Umfang Ihre Spende erweitern liegt selbstverständlich in Ihrem persönliche Ermessen.
Falls mit Hilfe dieser Maßnahme finanzielle Überschüsse erzielt würden, möchten wir Sie gerne in die Entscheidungsfindung über die sinnvolle Verwendung dieses Geldes einbeziehen – ebenso wie wir uns jederzeit über Anregungen für geeignete Verwendungszwecke seitens unserer Spender freuen.

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Interesse an einer Patenschaft? 

Mit Ihrer Bereitschaft, eine Patenschaft für eines der Kinder zu übernehmen, ließe sich über einen festgelegten Zeitraum der regelmäßige Schulbesuch ermöglichen, was den Kindern eine vernünftige Bildung und uns einen längerfristigen Planungshorizont eröffnen würde.
Deshalb hoffen wir, neben den ebenso dringend benötigten einmaligen Spenden, eine Bindung zwischen Paten und Patenkindern herstellen zu können, die den Kindern Zugang zu Bildung auf der einen, und Ihnen einen Einblick in das Leben Ihres Schützlings auf der anderen Seite geben soll.

Bei Interesse an einer Patenschaft wäre daher zunächst ein Email-Kontakt wünschenswert, um mit Ihnen und einem der Kinder eine erste persönliche Verbindung herstellen zu können. Darüber hinaus würden wir Sie auf diesem Weg regelmäßig auf dem aktuellen Stand halten und einen weiterführenden Austausch ermöglichen.

Wenden Sie sich daher bitte an

spenden.umra@gmx.de

Selbstverständlich beantworten wir unter dieser Adresse auch allgemeine Fragen und freuen uns über jede Nachricht.

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Keine Verwaltungskosten, non-profit!

Jeder Cent Ihrer Spende kommt den Kindern im UMRA Orphanage Centre zugute.
Daher handelt es sich bei dieser Aktion um ein gänzlich auf non-profit ausgerichtetes Vorhaben, weshalb Ihr Geld auch nicht zur Deckung von Verwaltungskosten verwendet wird.

Um Ihnen die anfallenden Überweisungskosten zu ersparen, werden Ihre Spenden zunächst auf dem Konto unserer deutschen Entsendeorganisation VIA e.V. (Verein für Internationalen und Interkulturellen Austausch) gesammelt:

VIA e.V.
Kontonummer: 22005599
BLZ: 37050198 
Sparkasse Köln-Bonn
Stichwort: UMRA Orphanage Tansania

Von dort aus werden sie unverzüglich auf ein tansanisches Konto weitergeleitet.
Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass Sie zum Jahresende eine Spendenquittung zum Absetzen von der Steuer erhalten werden.
Versehen Sie ihre Spendenüberweisung aus diesem Grund bitte mit Namen und Anschrift. 

Nähere Informationen zum Programm von VIA e.V. finden Sie unter:

www.via-ev.org                   http://via-weltwaerts.de
Wir garantieren, dass Ihre Spende ohne Umwege dort ankommt, wo sie am
dringendsten benötigt wird: Das sind zunächst aufbereitetes Trinkwasser und
Schulgeld!

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Was bewirkt meine Spende langfristig?

Auch wenn es angesichts des vielfältigen Mangels schwer fällt, Prioritäten zu setzen, stehen nach Erreichen einer zufriedenstellenden Wasserversorgung und dem Schulbesuch aller Kinder folgende Vorhaben auf der Wunschliste des UMRA Orphanage Centre:
Mit einem gesicherten Wasseranschluss ausgestattet, ließe sich eine Verbesserung der Toiletten hin zu hygienischeren sanitären Anlagen mit genügend Wasser für eine ausreichende Körperpflege der Kinder einfacher gestalten.
Dies gilt auch für die allgemein schmutzigen Bedingungen in der provisorischen Küche.

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Nema kocht auf dem Feuer

Abwechslung auf den Tisch! Mit wenig Mehrkosten verbunden kann den Kindern eine abwechslungsreichere und gesundheitsbewusste Ernährung geboten werden. Vitamine und einfach mal Was für den Geschmack, zusätzlich zu Reis und Bohnen…

Altersgerechte Beschäftigung für alle! Wer sieht, welche Faszination simple Dinge wie Wasserfarben hervorrufen, weiß, dass es hier nicht viel bedarf, um kleine Kinder glücklich zu machen.

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Der staubige Platz bietet viel Potenzial

Zu guter Letzt liegt mit dem Außengelände eine Menge Potenzial brach, das den Kindern einen weiträumigen Zufluchtsort jenseits der Beengtheit des Innenhofs bieten könnte.
Im Schatten der großen Bäume im Sand spielen, in einer von Scherben und Unrat befreiten Umgebung; zudem sind die verrosteten Überreste von Schaukel und Wippe mit einigen Handgriffen kostengünstig aufzuwerten.
Und den Fliegen anziehenden Ziegen, Schafen und Hühnern, kann man hier auch freien Lauf lassen!

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Afrika ist kein teures Pflaster:
Selbst kleine Beträge helfen bekanntermaßen weiter, weshalb wir uns über jede Spende freuen.

Afrika macht allerdings auch ehrlich:
Langfristig planen können wir mit Ihrer Bereitschaft, eine Patenschaft für eines der Kinder zu übernehmen!

 
Während Asma und Sheluni Lesen und Schreiben lernen, möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, etwas mehr über die Wirklichkeit in einem Land wie Tansania zu erfahren. Die öffentliche Wahrnehmung Afrikas wird nach wie vor von den keinesfalls zu verharmlosenden und sicherlich vorhandenen Problematiken wie AIDS, Krieg und Naturkatastrophen dominiert. Dass der bunte Kontinent den negativen Assoziationen und Berichterstattungen im Allgemeinen jedoch nicht entspricht, wissen viele Menschen leider nicht. Um dies zu ändern, möchten wir zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem atemberaubend schönen Land Tansania in unserer Heimat anregen.
Helfen Sie, dieses Vorhaben in die Realität umzusetzen und sichern Sie mit Ihrer
Spende die elementarsten Bedürfnisse!

 

Herzliche Grüße im Namen aller Kinder und Mitarbeiter des UMRA
Orphanage Centre

Johanna Wiest, Rahma Juma Kishumba und Marius Münstermann

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Januar 31st, 2010

Auf Tuchfühlung mit den Hippos

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Im seichten Wasser bahnt sich unser Einbaum seinen schmalen Weg durch das Schilf. Angetrieben von kräftigen, zugleich fließenden Bewegungen in bester Gondolierimanier, schiebt sich unsere hölzerne Beobachtungsplattform durch die schlammbraune Brühe.  
Die fiependen Laute verraten die in Scharen durch das sumpfartige Gelände watenden Vögel. Vereinzelt lassen Reiher ihren Blick über die ruhige Landschaft wandern. Ihr pechschwarzes Gefieder glänzt in der tief stehenden Abendsonne, deren grelle Strahlen vereinzelt durch die bleigraue Wolkendecke auf das bewegte Wasserloch fallen. Eingerahmt von Palmenhainen und einem imposant aus der ansonsten flachen Landschaft herausragenden Hügel, gleiten wir langsam in das offene Gewässer. Aus einiger Entfernung rollt das Donnern eines Gewitters über die harmonische Stille des Sees herüber.

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Allmählich hebt sich ein mächtiges Grunzen von der bedächtigen Stille ab. Bald darauf erblicken wir die ersten Hippos: Eine Gruppe der trägen Dickhäuter steht bis zum Hals im flachen Wasser und lugt mit einer unnachahmlichen Behäbigkeit zu uns herüber. Weiter scheint der Flusspferdclan keine Notiz von uns zu nehmen.
Mit spektakulären Jagdszenen, gigantischen Huftierherden oder faszinierenden Einblicken in das Familienleben der Elefanten aus einschlägig bekannten Reportagen bekannt hat das wenig zu tun, vor schnell könnte man diesen Ausflug in die Natur Ostafrikas als beinah schon langweilig, da weitgehend ereignislos verbuchen.

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Dass dem nicht so ist, dafür sorgt einerseits die unbeschreibliche Geräuschkulisse: Dicke Regentropfen tanzen nun auf der Wasseroberfläche, erste Vorboten des bedrohlich näher kommenden Gewitters. Als wir uns bei unerwartet schnell steigendem Wellengang in die verführerische Sicherheit der Ufervegetation begeben, bleibt die Frage: Umkehren, oder in der Hoffnung auf baldigen Wetterumschwung weiterfahren?

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Alle Sinne bleiben trotz der totalen Entspannung des Augenblickes hellwach, jeder Zeit darauf ausgerichtet, vielleicht doch noch Krokodil und Wasserschlange zu erblicken… oder eben das plötzlich wie aus dem Nichts auftauchende Nilpferdweibchen!

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Den empfohlenen Abstand von gut fünfzig Metern hat die scheinbar ebenfalls überraschte Dame galant um Einiges unterschritten, als sie bis zum Bauch im aufgewühlten Wasser umherstampft. Dass die Tiere mit ihrem massigen, walzenförmigen Körper je nach Definition häufig zu den “Big Five” Afrikas, also den größten und vor allem gefährlichsten Tieren des gesamten Kontinents gezählt werden, ist jedem in unserem Boot augenblicklich klar. Angeblich seien die Tiere für weit mehr Todesfälle unvorsichtiger Menschen verantwortlich, als beispielsweise Löwe oder angriffswütiger Elefant.
Als sich das Tier nach einigen Sekunden des durchaus Angst einflößenden Abwartens schließlich doch zur Umkehr entscheidet, macht sich in unserem hölzernen und für den Augenblick überhaupt nicht mehr so sicheren Untersatz spürbare Erleichterung breit.
Unter dem gleichsam stärker werdenden Prasselregen machen wir uns auf den Rückweg, bald darauf froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Nachts werden wir auch dort noch ein mal an unser heil überstandenes Intermezzo mit den Hippos erinnert. Allabendlich schleppen sich die Herden aus dem Wasser um für einige Stunden an Land ihrem riesigen Hunger – übrigens ausschließlich auf pflanzliche Nahrung – hinzugeben und die Schwemmzonen des Sees abzugrasen. Die nun mehr vertrauten Klänge, die in ihrer vibrierenden Tiefe durch die Nacht hallen, wirken jetzt durch Zeltwand und Moskitonetz dröhnend eher beruhigend.

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Januar 31st, 2010

Mit dem TaZaRa-Express von Dar es Salaam nach Mbeya

1.1Die unüberschaubare Anzahl geduldig wartender Passagiere in der angenehm luftigen Halle, deren staubige Fenster allesamt weit geöffnet sind, lässt erahnen, wie beengt es auf der bevorstehenden Zugfahrt mit der TaZaRa-Linie zugehen wird. Zwei Stunden vor Abfahrt sollten wir also da sein, so hatte es mir der Fahrkartenverkäufer in der Vorwoche geraten. Scheinbar hat diesen Hinweis jeder der hier Anwesenden bekommen…

Plötzlich, ohne jede Vorwarnung oder einen vernehmbaren Grund, rumort es, ein Anflug von Aufbruchstimmung in der scheinbar wild verstreut auf Boden und Bänken sitzenden Menge bricht aus. In Sekundenschnelle stehen alle in mehreren, unerwartet geordneten Reihen. Koffer und Taschen werden vornehmlich auf dem Kopf balancierend. 
Vor dem eisernen Tor, das den Zugang zum Bahnsteig versperrt, gruppiert sich eine offenbar organisierte Reisegemeinschaft weißer Touristen, zumindest soweit seltsame Safari-Kopfbedeckungen, überdimensionale Sonnenbrillen und vor den Bauch geschnallte Rucksäcke etwas über Leute verraten.  Zu ihnen gesellen sich drei, vielleicht vier wohl gekleidete tansanische Frauen. Die Belegschaft für die Abteile der Ersten und Zweiten Klasse ist somit versammelt. Durch einen Zufall, vermutlich aber durch unsere Hautfarbe bedingt, die irgendwie so ganz und gar nicht zur Dritten Klasse zu passen scheint, werden auch wir hindurchgeschleust.
Da steht er also, der TaZaRa-Express. Flaschengrün, an manchen Stellen ein wenig rostgesprenkelt und auf den ersten Blick ebenso endlos, wie die Warteschlangen im Inneren des Bahnhofs.
Zwischen 1970 und 1976 mit Hilfe chinesischer Investitionsgelder verlegt (übrigens bis heute das Größte Bauprojekt Chinas außerhalb seiner eigenen Staatsgrenzen), verbindet die Trasse der TaZaRa-Linie (Tanzania Zambia Railway) das sambische Kapiri Mposhi, dessen Kupferreichtum entscheidenden Anteil bei den Überlegungen zur Realisierung des Projekts hatte, mit der Hafenmetropole Dar es Salaam. Mangels technischen Knowhows nach Abreise der asiatischen Schirmherrn, dem angesichts der stetig steigenden Frachtmengen mehr und mehr kollabierenden Warenumschlag in Dar es Salaam, sowie einer ohnehin schwindenden Nachfrage des Personenverkehrs, kam die Verbindung im Laufe der Jahre jedoch unter die sprichwörtlichen Räder, ganz zu schweigen vom nur notdürftig entgegengewirkten Materialverschleiß an Zügen und Schienen. Hinzu kommen schlechte bilaterale Beziehungen Tansanias als auch Sambias zu Nachbarstaaten wie Malawi oder Kongo, die unter normalen Umständen ein gesundes Wirtschaftsinteresse an der Nutzung der Strecke hätten. Nicht zu vergessen sei auch die alles überschattende Korruptionsproblematik.
So werden heute, auch dank verbesserter Transportmöglichkeiten auf nahezu parallel verlaufenden und mittlerweile gut ausgebauten Asphaltstraßen die wichtigen Ressourcen auf anderem Wege an die tansanische Küste geliefert oder gänzlich andere Routen in Richtung Südafrika oder Mosambik genutzt.

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Alles in allem keine rosigen Aussichten für die Zukunft der Bahnlinie, deren Name zunächst vielversprechende Assoziationen mit einem eindrucksvollen Ausflug weckte.
Doch viel Zeit für vergebliches Schwelgen in romantisierten Fantasien über Eisenbahnfahrten im wilden Hinterland Afrikas bleibt ohnehin nicht. Im Eilschritt strömt die nun mehr unkontrolliert aus der Wartehalle strömende Menschenmenge an den vorderen Wagons vorbei. Kinder werden auf den Arm genommen oder unter Beschwörungen, doch bitte Schritt zu halten, hinter sich hergeschliffen. Plastiktüten reißen und verteilen ihren Inhalt auf dem Beton, prall gefüllte Rucksäcke drängen vorbei an ebenfalls Gepäck schleppenden Bahnmitarbeitern.
Unwissend, dass der Papierfetzen, der unser Fahrtticket darstellt, auch eine handschriftlich eingetragene Wagonnummer enthält, sind wir zunächst ein mal froh, im erstbesten Abteil einzusteigen, alles weitere wird sich schon ergeben. Wenig später werden wir darauf hingewiesen, uns fälschlicher Weise in der Zweiten Klasse niedergelassen zu haben. Angesichts der bereits passierten Anzahl von Wagons, die somit ausschließlich für Passagiere Erster und Zweiter Klasse reserviert sein müssen, verlassen wir den beinah schon luxuriös ausgestatteten Wagen mit seinen weit nach hinten lehnenden Sitzen, die so wunderbar viel Beinfreiheit versprachen.
Mit Blick auf die nach wie vor den sonnendurchfluteten Bahnsteig entlanghastenden Menschen und die verbleibenden fünf Wagons, ahnen wir bereits Böses.
Nach wüsten Szenen beim Erklimmen der viel zu hoch gelegenen Einstiegstreppen – es sei erwähnt, dass der Zug in seiner gesamten Länge die des Bahnsteigs deutlich überschreitet – lassen wir uns verschwitzt in die wenig bequemen, ramponierten Lederbänke fallen. Nicht alle hatten so viel Glück wie wir. Und so dauert die Prozedur des Einsteigens eine weitere Ewigkeit. Die unangenehme Hektik der Situation wird durch lautstarke Auseinandersetzungen, schreiende Kleinkinder, die stetig steigende Wärme im Abteil und das unter Körpereinsatz vorangetriebene Gedrängel beim Verstauen des Gepäcks in den spärlich beraumten Ablagen verstärkt.
Irgendwann hat endlich alles und jeder Platz gefunden, wobei auch der Gang komplett belegt werden muss und immer noch einige, wenig zu Beneidende stehend übrig bleiben.
Mit wenig Verwunderung zeigt die Uhr bereits eine gute Stunde Abweichung von der ursprünglich geplanten Abfahrtszeit an, als sich im Abteil die Nachricht verbreitet, man müsse zunächst auf Diesel für die Lok warten. Eine gute Gelegenheit, sich von Leuten außerhalb des Zugs Äste reichen zu lassen, um die bereits mehrfach geschraubten und wenig stabilen Plexiglasscheiben offen zu halten.

 

Eine weitere Zeit des untätigen Wartens später weht tatsächlich frischer Fahrtwind in das stickige Abteil. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt und relative Ruhe ist eingekehrt. Offenbar ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass die kommenden fünfundzwanzig Stunden in dieser Atmosphäre für alle erträglicher sein dürften.

 

Bedingt durch die mittelmäßige Verspätung setzt bereits wenig später die Abenddämmerung ein. Die hinter den Bergen Morogoros wie inszeniert untergehende Sonne ist deshalb nur ein kleiner Ersatz für den uns verwehrten, im Vorfeld doch so verführerisch angepriesenen Panoramablick in den Mikumi National Park, den wir erst nach Einbruch völliger Dunkelheit erreichen.
In der Monotonie des auf maroden Holzbohlen dahinratternden Zuges findet man irgendwann doch noch Schlaf, auch wenn auf Grund der schmalen Sitzbänke gezwungenermaßen eine beinah aufrechte Sitzposition eingenommen werden muss. Unterbrochen wird die in fast stoischer Ruhe verbrachte Zeit des Zählens vorbeifliegender Bananenstauden, umrissartig wahrzunehmender Pinienbäume und vereinzelt aus der tiefen Schwärze der Nacht hervorstechender Baobabs nur ab und an vom Gequengel des Babys gegenüber. Seinen schier unzubändigenden Durst nach Muttermilch, dem es häufig lautstark Nachdruck verleiht, weiß es des Öfteren mit Wickeleinheiten unter der Tischplatte in unmittelbarer Nähe zum Knie des Gegenübers zur Nervenprobe zu vervollkommnen.
Eine willkommene Abwechslung sind dagegen die seltenen Stops an winzigen Bahnhöfen, die die Anwohner zum Anbieten kleiner Snacks und Getränke nutzen. Leider verlieren Kochbananen als auch frittierte Köstlichkeiten nach inzwischen erreichten drei Stunden Verspätung deutlich an Geschmack und Konsistenz, weshalb wir vorerst mit Erdnüssen Vorlieb nehmen. Weitere Zeit später heißt es dann, sich wohl oder übel mit trockenem Toastbrot abzufinden, dass einige Passagiere in großen Mengen mit auf die Reise genommen haben, um einen Teil ihrer Fahrtkosten mit dieser cleveren Verkaufsidee von ihren hungrigen Nebenleuten einzutreiben.
Im Morgengrauen schiebt sich unser behäbig ruckelndes Gefährt durch nebelverhangene Hügellandschaften. Sein bereits in einiger Entfernung vernehmbares Schnaufen lockt entlang der gesamten Strecke winkende Kinder an die Bahngleise. Hier draußen ist der zwei Mal wöchentlich verkehrende Zug ein Höhepunkt im ansonsten eher kargen und beschwerlichen Alltag zwischen ausschließlich mit Handarbeit betriebener Subsistenzwirtschaft und dem Leben ohne Elektrizität in einfachen Lehmhütten; ein vorbeirollender Eindruck vom weit entfernten Rummel der pulsierenden Städte.
Während draußen eine Mischung aus vereinzelt auftauchenden Feldern auf ehemals dicht bewaldeten Hügeln und viel saftigem Grün, dort wo Kahlschlag und Brandrodung sich noch nicht in die Natur gefressen haben, sackt der träge Kopf wieder und wieder auf die wacklige Tischplatte. Auch wenn man dann und wann von besonders holprigen Schienenstücken aus dem dösigen Zustand des Halbschlafs gerissen wird, erblickt man hinter der nun mehr beschlagenen und zwecks spürbar sinkender Außentemperaturen heruntergelassenen Plexiglasscheibe wenig Neues. Ein kurzer Versuch, die ewig einschlafenden Beine vergeblich zu strecken und der mindestens ebenso müde Kopf gibt der Trägheit erneut nach.  

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Doch wehe dem, dem es gelingt, in tiefere Traumwelten vorzudringen. Völlig unerwartet zieht eine ältere Mitfahrerin am bereits miefigen Pullover, um einen freundlicherweise darauf hinzuweisen, dass der Zug an einem augenscheinlich wenig relevanten Bahnhof entkoppelt und der Wagon, in dem wir uns völlig ahnungslos rekeln, in eine komplett andere Richtung weiterfahren werde.

Mit eingerosteten Gelenken staksen wir den hinteren Abteilen entgegen, um uns herum wiederum eine Vielzahl umherwuselnder Verkäufer, die ihre Waren durch die Fenster reichen. Es ist merklich kühler, der Himmel grau in grau. Ein erster Vorgeschmack auf die uns bevorstehenden Witterungsverhältnisse während der anhaltenden kleinen Regenzeit zwischen Dezember und Januar im tansanischen Hinterland.
Sicherheitshalber in die fast unbesetzte Zweite Klasse umgezogen, sind wir nach der vorangegangenen Tortur schließlich mehr als bereit, einen aus europäischer Sich fast lächerlichen Aufpreis von 0,75€ zu zahlen, um die verbleibenden fünf Stunden bis zur ersehnten Ankunft in Mbeya in der Gemütlichkeit der gepolsterten Sitze zu verbringen.

Januar 31st, 2010

Malawi und das südwestliche Tansania – Ein Reisebericht

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Reisen, das ist in unserem Verständnis für gewöhnlich mit der Sehnsucht nach Neuem, dem Entdecken unbekannter Orte verbunden, im schlimmsten Fall noch mit der alljährlichen Rückkehr in heimatnahe Campinggefilde…
In Ostafrika dagegen spielt sich das Leben bereits aus finanziellen Gründen über Jahre hinweg, wenn nicht für immer in einem weitaus geringerem Radius unternehmerischerer Expeditionen ab. Die gewohnten Pfade des Heimatortes werden eher selten verlassen. Eine willkommene Abwechslung bieten da schon Feiertage, denn was eignet sich besser, um gute Freunde oder die Familie zu besuchen?

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Unsere kleine Expedition führte mit der TaZaRa-Bahn aus von Dar es Salaam über Mbeya zunächst an die nördliche Grenze Malawis mit seinem großen Nachbarn Tansania. Über das von einem mittelkräftigen Erdbeben heimgesuchte Karonga kommend, wurde uns zunächst im eher beschaulichen Rumphi ein wenig Heimatgefühl zu Weihnachten geboten, bevor es uns weiter südlich zog.

Nach einem gelungenen Abstecher in Mzuzu mit seinen fast schon auf künstlerische Art und Weise per Hand mit Werbung bemalten Häuserfassaden, hieß die nächste Station Blantyre. Dessen schmutziger Scharm, irgendwo zwischen industriellem Zentrum und überlaufener Durchschnittsstadt bot sich jedoch nur zur Durchreise an. Hingegen lud das bereits ganz im Süden an der Grenze zu Mosambik gelegene Mulanje Reservat mit seiner eindrucksvollen Berglandschaft zu einer Wanderung an einen der hinter dicht bewucherten Felsen versteckten Wasserfälle ein.

Unsere Reiseroute

Unsere Reiseroute

Uns wieder gen Norden orientierend, rasteten wir eine Weile am Südufer des omnipräsenten, da über ein Viertel der Gesamtfläche Malawis ausmachenden, Lake Malawi, genauer gesagt am wunderschönen Cape McClear. Als uns auch dort nach ausgiebigem Sonnentanken nach den Tagen des Regens und faszinierenden Schnorecheleinheiten im Buntbarsch reichen Tauchbecken der Natur wieder der Drang nach Aufbruch ereilte, kam der nicht weit entfernt liegende Liwonde National Park wie gerufen.
Mit Ausblick auf ein großes Wasserloch, das still in der mit den grauen Regenwolken ringenden Sonne glitzert, schlugen wir unser Zelt gerne auf. Bei nächtlichen Grunzlauten der trägen Hippos, kommt zu später Stunde mit nervigen Moskitogesurre und Affengezeter in der feuchten Luft eine bisher ungefühlte, wenn doch aus mancher Reportage vertraute Atmosphäre des wahren Lebens in freier Natur auf. Die gewagte Bootstour in ihr Revier brachte uns unerwartet auf Tuchfühlung mit den trägen Dickhäutern…

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Die Ausdehnung Malawis auf einer Länge, ähnlich der Deutschlands, mit gleichzeitig jedoch maximal 160 Kilometern Breite, stellt ein für derart kurze Reisen ideales Ausflugsziel dar. Noch dazu kommen günstige Unterkunftspreise, das ohnehin freundliche Entgegenkommen der Menschen und die abwechslungsreichen Besichtigungspunkte auf vergleichsweise geringer Fläche.
Unter dem Gesichtspunkt des zügigen Reisens wäre ebenfalls das nahezu westliche Straßennetz hervorzuheben. Allerdings ist dies eher als populistische Maßnahme des Präsidenten Bingu zu verstehen, der ur allzu oft und gerne mit seinem verschwenderischen Tross durch das arme Land zieht. Offenbar zeigt sich seine Exzellenz, wie der kleine Mann mit der ungesunden Medienpräsenz sich vom niederen Volk nennen lässt, dabei wenig beeindruckt von der verhängnisvollen Abhängigkeit Malawis von kostspieligen Ölimporten aus seinen vergleichsweise reichen Nachbarländern.
Hinzu kommt, dass die solide ausgebauten Straßen die im Gegensatz zum Asphaltbelag wenig sicheren Autofahrer in ihren zumeist ohnehin schrottreifen Gefährten zu blindem Rasen und waghalsigen Überholmanövern verleiten. Nicht zuletzt deshalb gilt Malawi auch als das Land mit der statistisch höchsten Unfallrate weltweit, was auch das routinemäßige Gebet vor der Abfahrt mit dem Überlandbus erklärt.

Von oben strahlt der kleine Mann: Praesident Bingu propagiert Groesse

Von oben strahlt der kleine Mann: Praesident Bingu propagiert Groesse

Zurück in Tansania blieben die wenig schmuckvollen und doch charakteristischen Städte Mbeya und Iringa, welche jedoch ebenso wie mehrere Kleinstädte und in Ursprünglichkeit erhaltene Dörfer Malawis lediglich eher Zwischenetappen auf der lange Strecke darstellten. Mehr Zeit hatten wir also für ausgiebiges Entspannen an den Südstränden meiner ansonsten so hektischen Heimat Dar es Salaam.

Deutlich interessanter war zudem der Ausflug in das der tansanischen Küste vorgelagerte Morogorogebirge, dessen zerklüftete Hänge wiederum eine Wanderung wert waren und zusammen mit dem Tagesausflug in den alten Küstenort Bagamoyo mit seinen verfallen Ruinen und der aktiven Künstlerszene einen gelungenen Abschluss unseres ereignisreichen Ausflugs bildeten.

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Dezember 8th, 2009

Lebenszeichen!

Lebenszeichen!

Beflügelt von der warmen Luft, die einem beim Verlassen des klimatisierten Internetcafés entgegenweht, packt mich der Eifer, nach doch recht langer Zeit ein Lebenszeichen von mir zu geben. Zu berichten gibt es immerhin so manches, angefangen mit dem bevorstehenden Umzug des Waisenheims bis hin zum Kurzurlaub auf Zanzibar.

Neben mehreren Texten werde ich mich bemühen, möglichst viele Bilder hochzuladen, entweder direkt in die Artikel eingegliedert oder im Bereich Fotos zu finden.

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Mir geht’s gut!

Dezember 8th, 2009

Wo Geschichte lebendig bleibt

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Nach mehrstündiger Fahrt gleitet die “Flying Horse” über die spiegelglatte See der Insel mit dem klangvollen Namen, dem Inbegriff vieler exotischer Urlaubsfantasien entgegen. Malerisch sitzt die historische Altstadt Stone Towns auf einem Sockel versteinerter Korallen, welcher sich im Zuge tektonischer Verschiebungen vor rund dreißig Millionen Jahren aus dem Indischen Ozean erhob.
Im Licht der langsam untergehenden Abendsonne erkennt man bereits von Bord der Fähre die Fassaden Zanzibars, dessen verheißungsvoller Name korrekterweise den Zusammenschluss des Archipels Unguja und Pemba sowie etwa fünfzig weiterer Inseln vulkanischen Ursprungs beschreibt.
Ein geschichtsträchtiger Ort, seit jeher Spielball politischer Auseinandersetzungen und unvergleichlicher Nährboden kultureller Vielfalt.

Bereits vor über 2.000 Jahren nutzen Sumerer, Assyrer, Phönizier, Araber als auch Inder und Chinesen jahreszeitlich bedingte Passatwinde, um erste Handelsrouten nach Ostafrika auszubauen. In kleinen Teestuben Wasserpfeife rauchende Greise, würzig duftende Restaurants mit indischer Küche und künstlerisch geschnitzte Mahagonitüren sind die wohl charakteristischsten Bilder des zanzibarischen Stadtbilds. Im seichten Wasser vor dem weißen Sandstrand liegen seit jeher Dhaus, kleine Bötchen, an deren Bauweise sich bis heute nur wenig geändert hat.
Während der Turm der anglikanischen Kirche einen langen Schatten über den bunten Darajani Markt wirft, erklingt aus allen Richtung der Ruf der Mullahzins von den ebenso signifikant in den Abendhimmel ragenden Minaretten.

Tür + Forodhani
Mit zunehmender Islamisierung Ostafrikas, ausgehend von der arabischen Halbinsel, bildeten sich bis ins 12. Jahrhundert vermehrt Handelsposten entlang der Küste, bevorzugt auf den ihr vorgelagerten Inseln. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits erste permanente Siedlungen auf der zuvor nur sporadisch bewohnten Insel des heutigen Ungujas gebildet. So vermischte sich der Glaube des schiitischen Islam allmählich mit jener der indogenen Bantubevölkerung sowie bereits vorher an Einfluss gewonnener hinduistischer Religionsgemeinschaften Asiens.
Vermehrt zogen Araber zu und festigten die Vormachtstellung der muslimischen Herrscher, die ihr Handelsnetz im Indischen Ozean weiter ausbreiteten.
Zusehens an Bedeutung gewann Unguja mit der Erschließung des afrikanischen Hinterlandes. Die Haupthandelsrouten für Edelsteine, Tropenhölzer, Gold und später vor allem Sklaven führten allesamt nach Zanzibar, dem damaligen Tor zur Welt, oder der Eingangspforte zum beispiellos geplünderten Kontinent.

Als erster Europäer überlieferte Marco Polo den sagenhaften Reichtum des Inselstaats, bevor Portugiesen unter Vasco da Gama ab Beginn des 16. Jahrhunderts für über 150 Jahre die Geschicke Zanzibars in die Hand nehmen sollten. Viele Ecken Stone Towns mit seinen verwinkelten Gässchen, den umherstreunenden Katzen und grob gepflasterten Plätzen erinnern trotz afrikanischer Lebensart noch heute eher an mediterrane Dörfer.

sansibar kollektion

 
Nachdem die gewaltsame Herrschaft Portugals ab 1668 abermals durch das nunmehr geeinte Osmanische Reich abgelöst wurde, entfaltet sich die Insel in einem langwierigen Prozess zum Sultanat mit blühendem Handel. Hauptexportgut waren ab diesem Zeitpunkt Gewürznelken, die in die gesamte Welt verschifft wurden und Zanzibar zu weiterem Reichtum verhalfen, wovon unter anderem der Sultanspalast Beit el Ajaib zeugt, mit seinem marmornen Böden und der ehrwürdigen Turmuhr vermutlich das architektonische Wahrzeichen der Stadt.

An diesem Zustand florierenden Handels und einhergehenden Wohlstands unter weitgehend arabischer Regie änderte sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht viel, bis schließlich Briten militärische Präsenz vor der Küste Ostafrikas zeigten. Derart unter Druck gesetzt, willigte der damalige Sultan von Zanzibar, Sayyid Said, in einen Vertrag ein, der eine nachhaltige Berücksichtigung britischer Interessen zur Folge hatte. So eröffneten immer mehr Kaufleute aus Europa Kontore und Geschäfte, vermischte sich Viktorianischer Baustil mit der orientalischen Bebauung der vorangegangen Jahrhunderte.

haus
1873 gelang es den Engländern, den Sklavenhandel auf Zanzibar zu unterbinden. Dies geschah jedoch weniger aus menschrechtlichen Einwänden denn vielmehr aus Interesse daran, die Versorgung des Osmanischen Reiches mit dem wenig geachteten aber doch unentbehrlichen Handelsgut Mensch zu kappen. Das Verbot bedrohte viele der ansässigen Händler in ihrer Existenz, weshalb der Anbau von Gewürzen an Bedeutung gewann. Dies wiederum hatte eine weitere Erschließung des Inselinneren zur Folge, dessen einst üppig bewaldete Flächen weitläufigen Plantagen weichen mussten.

Mit fortschreitender Kolonialisierung gesamt Afrikas und dem allmählichen Aussterben der osmanischen Dynastien, baute Großbritannien seinen Einfluss auch auf Zanzibar weiter aus, was Ende des 19. Jahrhunderts in der Errichtung des Britischen Protektariats gipfelte.
Während sich die große Mehrheit der Menschen auf dem tansanischen Festland – insbesondere in den ländlicheren Gebieten – mit Englisch sehr schwer tut, freuen sich Touristen auf Zanzibar über nahezu perfekte Kenntnisse der einstigen Kolonialsprache. 
 
Im Zuge des Unabhängigkeitsbestrebens vieler afrikanischer Staaten fand auch Zanzibar 1964 in einer blutigen Revolution seinen Weg in die Selbstbestimmung, welche jedoch noch im selben Jahr in den Zusammenschluss mit dem Festland (Tanganyika + Zanzibar = Tanzania) überging. Auch wenn metzelnde Rachegelüste, deren Radikalität tausende Araber und Inder der besser verdienenden Gesellschaftsklassen zum Opfer fielen, bereits längst als weiteres Kapitel in die düstere Geschichte eingegangen sind, fordern selbst gemäßigte Teile der Bevölkerung nach wie vor eine Abspaltung vom Festland. Angetrieben wird dieser Wunsch nach autonomer Verwaltung vom nicht zu verdrängenden Unmut über die sozialistische Misspolitik des ersten gesamttansanischen Präsidenten Nyerere, der die Wirtschaft der Insel zu Grunde richtete, in Tansania jedoch den Status eines Volkshelden genießt.
Auch aktuell müssen vom Festland Einreisende mit langwierigen Passkontrollen und Nerv raubenden Diskussionen mit den Zollbeamten am Hafen rechnen.

hafen
Ab den 90er Jahren wurden mit der Schaffung eines Mehrparteiensystems zunächst die Basis für eine demokratische Umstrukturierung der politischen Verhältnisse geschaffen, bevor die erste derart gewählte Regierung die Weichen auf Marktwirtschaft stelle. Diese stützt sich heute neben der Produktion von Gewürznelken hauptsächlich auf den Tourismus. So machen die gepflegten Forodhani Gardens mit ihren Essensständen und europäisch angelegten Grünflächen, gestutzten Palmen und sauberen Kalksteinböden einen durchaus einladenden Eindruck und verdrängen die Überbleibsel sozialistischer Fehlplanung. Deren letzte augenscheinliche Bastion sind die heruntergekommenen Plattensiedlungen der Michenzani Flats vor den Toren der Stadt, die mit Entwicklungsgeldern aus der DDR finanziert nach bestem Ostblockvorbild errichtet wurden.

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Mit all seinen unterschiedlichsten kulturellen Prägungen, dem heute friedlichen Zusammenleben in den engen Gassen und der abermals überwältigenden Gastfreundschaft der Inselbewohner stellt Zanzibar einen unvergesslichen Schmelztiegel historischer Vielfalt und eine eindrucksvolle Bühne sich überschlagender Ereignisse dar. Verstärkt wird diese einzigartige Ausstrahlung der Insel vor der ohnehin faszinierenden Kulisse eines kleinen Tropenparadieses im Azurblau des Indischen Ozeans, die der mühsam zu einzuordnenden Geschichte ein gesundes Stück Leichtigkeit verleiht.2

Dezember 8th, 2009

Dort, wo der wächst

gewürz

Im Halbkreis um Rashid herum versammelt, steht unsere Touristengruppe und lauscht den im typisch afrikanischen Englischdialekt vorgetragenen Erläuterungen des Guides. Wir befinden uns in mitten der weitläufigen Maganga Spice Farm. Schmale Fußpfade führen vorbei an einer Vielzahl schmackhafter Südfrüchte tragender Pflanzen und weitaus unzähligeren Gewürzstauden.
Mitten im saftig grünen Palmendickicht gelegen, grasen hier zudem Kühe, in deren Nähe sich schneeweiße Reihe aufhalten.
     
“This again is something we don’t like in Zanzibar”, wiederholt sich Rashid, während er mit leichtem Strecken eine Hand voll Cashewnüsse vom Baum pflückt. Nichts desto trotz wuchern die rötlich leuchtenden Bäume soweit das Auge reicht. Nur eine Auffälligkeit, die einem im Rahmen der Spice Tour im zanzibarischen Hinterland aufstößt. Die Mehrheit der hier angepflanzten Produkte zielt nicht auf den lokalen Markt ab, sondern wird ins profitablere Ausland verkauft. Ebenso selbstverständlich ist eine Reihe der anzutreffenden Pflanzen nicht heimisch und der teils hohe Wasserbedarf entzieht den ohnehin kargen Steinböden die letzten Tropfen des überlebenswichtigen Elixiers. Immerhin scheint man zumindest auf dieser Farm auf Monokulturen verzichtet zu haben, was jedoch am ehesten auf rückläufige Ernteerträge denn auf einsichtige Bewirtschaftung zurückzuführen sein dürfte.
 
Zimt, verschiedene Pfeffersorten, zu duftendem Tee verarbeitete Gewürznelken, Vanilleschoten, englische, afrikanische und zanzibarische Minze, Kassawa und viele weitere Geschmacksverstärker stehen auf dem Plan bei der anschließenden Verkostung. Bei Papaya, Mango, Bananen, Ananas und überreifen Jackfruitstückchen weicht die kritische Betrachtung des Gesehenen schnell einem anregenden Geschmacksfeuerwerk. Ebenso verdrängt man das unangenehme Touristendasein, das man in Dar es Salaam bereits mühsam abgelegt hat. Doch man kann schließlich nicht alles haben… So fahren wir also mit einer Heerschar Sonnenbrillen protzender, mit Videokameras schwenkender Badehosenträger auf unbekannten Terrain im Minibus, der des Namens Dala Dala nicht würdig ist. Die Schiebetür schließt nahezu geräuschlos beim ersten Anlauf, es gibt Anschnellgurte und die Verkleidung verdeckt jegliche Kabel. Asphaltierte Straßen führen bis ins Hinterland hinein und selbst dort wo diese enden, gewährt ein fast ebener Untergrund eine reibungslose Fahrt. Man spürt förmlich, wie die Einnahmen aus dem Tourismus der Infrastruktur der Insel zugute kommen.

Nach einer Reihe von Hinweisen zur heilsamen Wirkung vieler der verkosteten Speisen folgt ein Abstecher zum ehemaligen Hauptanlegestrand der Gewürzschiffe. An diesem Punkt hat man die unangenehmen Blicke der Einheimischen vergessen, zu sehr reizen das klare Wasser und der weiße Puderzuckersand zum sofortigen Bad im warmen Ozean. Eingerahmt wird die einladende Kulisse von mächtigen Palmen, die zu einem undurchschaubaren Hain am die Bucht umgebenenen Hang gewachsen sind.

Dezember 8th, 2009

Affentheater

Der Jozani-Regenwald erstreckt sich über ein fünfzig Quadratkilometer großes Gebiet, vom Südöstlichen Zipfel Ungujas ausgehend bis zur Küste. Die ursprünglich komplett bewaldete Insel wurde im Zuge des Plantagenanbaus zu 95% gerodet, sodass der kleine Nationalpark heute die einzige Rückzugsmöglichkeit für die mitunter einzigartige Tierwelt ist.

wald

Während die Population der Zanzibar Rotkopf Guerezas (auch als Stummelaffen bekannt) mittlerweile bei schätzungsweise 2.300 Exemplaren gesichert scheint und konstant wächst, sind vor allem die Diademaffen nach wie vor vom massiv vom Aussterben bedroht.
Ferner lassen sich mit etwas Glück im Dickicht über fünfzig Schmetterlingsarten, kleinwüchsige Wildschweine, Moschusböckchen und seltene Antilopen entdecken.

Wenn man den Lianen behangenen Regenwaldbewuchs verlässt, lichtet sich das dichte Grün, die trillernden Vögel verstummen und Affengeschrei erfüllt die feuchte Luft zwischen den niedrig gewachsenen Mangobäumen. Eine an die Anwesenheit von menschlichen Besuchern gewöhnte Stummelaffenfamilie tollt in den Bäumen umher und nascht von den saftigen Früchten. Ohne große Scheu nähern sich einige der Tiere bis auf weniger Zentimeter um direkt im Anschluss unter großem Gezeter in den Baumkronen zu verschwinden.

affe

Wer sich noch weiter in Richtung Küste vorwagt, erlebt eine ebenso faszinierende Mangrovenlandschaft. Bei Ebbe liegt die Küstenzone bis zu drei Kilometer ins Landesinnere hinein trocken und zwischen den hundertfach verästelten Wurzeln der Mangroven kommen unzählige roter Krabben zum Vorschein. 

Nach viel zu kurzer Zeit ist der fesselnde Rundgang bereits vorbei und man kann nur erahnen, welch magischer Ort dies gewesen sein muss, bevor die Farmer diese überwältigende Naturschönheit größtenteils zerstörten. Einzig gezielten Schutzmaßnahmen und Wiederaufforstungsmaßnahmen der Regierung ab den 1950er Jahren ist es zu verdanken, dass man noch eine leise Ahnung davon bekommt, wie abwechslungsreich und wertvoll Flora und Fauna der Insel einst in ihrer Gesamtheit gewesen sein müssen.

maNGROVEN

Dezember 8th, 2009

Der untergehenden Sonne entgegen

hafenTansania ist ein Land im Wandel. Doch trotz der stetigen Entwicklung (ob diese in eine vernünftige Richtung führt, sei zu bezweifeln) und zunehmender Orientierung an westliche Gesellschaften, sind die Menschen stark mit Traditionen verwurzelt, bestimmen Jahrhunderte alte Werte das Leben und lassen an Ursprünglichkeit kaum zu übertreffende Details vergangene Zeiten wieder aufleben.

 

Was anderswo durch riesige Containerschiffe und Frachter abgelöst wurde, lebt in Tansania fort. Noch immer machen sich täglich ein paar Seeleute in ihren Dhaus auf, die verhältnismäßig kurze Distanz zwischen Festland und vorgelagerten Inseln zu überqueren.
An der Bauweise der Holzschiffchen hat sich seit ewiger Zeit vermutlich ebenso wenig verändert, wie an dem Gefühl, das einen beim Betreten des Hafenbereichs im historischen Stone Town überkommt. Schon mittelalterlichen Weltenbummlern und Ozeankreuzern muss im Anblick der Vielzahl an zu verladenen Waren das Herz aufgegangen sein.
Vom typischen Fischgeruch umgegeben, hieven knechtende Männer bis ins hohe Alter Bierkisten und Holzbohlen, wird ohne nennenswerte technische Hilfsmittel säckeweise Reis an Bord der kreuz und quer angelegten Schiffchen gewuchtet.
Im Schatten einer Laderampe flicken Fischer ihre Netze und warten Besatzungsmitglieder auf das erneute in See stechen ihres Kahns.

Nachdem man ein nettes Gespräch mit einem oder mehreren Polizisten hinter sich gebracht und einen selbst aufgesetzten Brief, der den Kapitän von jeglicher Verantwortung für Vorkommnisse während der Überfahrt entbindet, unterschrieben hat, ist man plötzlich Teil dieser urigen Hafenszenerie. Nicht ohne leicht mulmiges Gefühl wagt man den Sprung von der Kaimauer auf die wackelige Dhau, die einen sicher nach Bagamoyo übersetzen soll.

schiff

Als wir den Hafenbereich verlassen herrscht träumerische Ruhe an Bord. Während wir das erhabene Gefühl genießen, an Bord dieses Bötchens über den offenen Ozean zu schippern, erholt sich die Crew, die an diesem Tag bereits zur zweiten Überfahrt ansetzt. Wenn die Witterungsverhältnisse es zulassen, bricht die fünf Mann starke Mannschaft sieben Mal pro Woche auf. Verfrachtet wird alles, was in den wenig voluminösen Rumpf hineinpasst. Dieses Mal sind es hauptsächlich Kanister voll Speiseöl und ein paar Säcke Maispulver sowie zwei eingeschweißte Fernseher.
Mit leichtem Tiefgang passiert unser Öltanker also vor der Küste ankernde Frachter, navigiert ein junger Mann im Liverpooltrikot unser schwimmendes Wrack an seichten Stellen und länglichen Sandbänken vorbei. Als der sandige Grund des Meeres im türkisblauen Wasser irgendwann nicht mehr zu erkennen ist, wird der Yamahamotor abgestellt. Seine Funktion übernimmt für die weitere Fahrt ein schmutziges Segel, das mit Hilfe algengrüner Seile in den Wind gestellt wird.

meerfüße
Während die Altstadt Stone Towns allmählich am Horizont hinter uns verschwindet, tauchen in einiger Entfernung unbewohnte Inseln auf. Vereinzelt treibt Müll vorbei. Ansonsten ist die See kräftig blau. Ebenso der Himmel, den lediglich einige wenige weit gestreute, rosa strahlende Wölkchen und in Eilandnähe majestätisch schwebende Möwen zieren.

Am Buk lässt man sich die langsam untergehende Sonne auf die salzige Haut brennen, während der Rest es sich im Schatten des windschwangeren Segels gemütlich gemacht hat. Mit schweifendem Blick über das ruhige Blau sieht man dann und wann springende Fische. Wenn man die Füße von Bord baumeln lässt, klatscht einem warmes Nass an die Waden, während unser Kahn Gischt spritzend durch die See pflügt.   
Die Crew packt das Radio aus. Zwischendurch wird Wasser geschöpft.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit ist der Augenblick gekommen, an dem in keiner Himmelsrichtung Land in Sicht ist. Nun sind wir nicht mehr als eine Nussschale in der Weite des Indischen Ozeans.               

postkarte

Dezember 3rd, 2009

Alltag kehrt ein

07:45 Uhr. Pünktlich fünfzehn Minuten bevor mein Wecker mich aus dem schwitzigen Schlaf reißen sollte, fängt der seltsame Vogel draußen vor meinem Fenster an, sein schrilles Liedchen zu trällern. Antwort bekommt er nie, doch sein beinahe mechanisch klingendes Piepen stellt nur das grande Finale des Vogelkonzerts dar, das mich manchmal schon ab Sonnenaufgang zu Ohropax oder wahlweise zur Kamera greifen lässt. Im Morgengrauen lassen sich hier oben in den Hügeln von Kimara wie fast überall die schönsten Fotos schießen. Die Motive sind ohnehin einmalig: Obsthändler die ihre frischen Waren ausbreiten, Ananas, Mangos, Papaya und Bananen. Tief orange, bereits kräftige Wärme verbreitende Sonnenstrahlen, die durch die Blätter einer Palme fallend den Kamm eines mächtigen Gockels ins rechte Licht rücken. Oder doch einfach nur die seichten Wolken, die am Horizont über der noch so ruhigen Stadt schweben.

Nach einer erfrischenden Dusche hebe ich erwartungsvoll den Deckel der Tupperschüssel an. Wie fast jeden Morgen gibt es Chapati, tellergroße Teigfladen, nahe dran der Konsistenz von Mehl. Dazu gibt es schwarzen Tee und – wenn ich mich tatsächlich die Stufen hinab zur Straße begebe – Bananen. Diese machen die staubtrockenen Chapati zu einem durchaus leckeren Frühstück. An süße Mandazi, in purstem Fett frittierte Bällchen, die wir dann und wann auf dem Tisch finden, kommen sie aber nicht ran. Um für ein wenig Abwechslung zu sorgen, holen wir uns manchmal Sambusi bei der dicken Frau, die mit ihrer halben Familie am Kochtopf hockt und allerlei Speisen zubereitet. Auf die leckeren Kartoffeldreiecke verzichten muss, wer abends vergisst, genügend Kleingeld beisammen zu haben. Einen 10.000-Schillingschein (umgerechnet 5Euro) kann sie morgens nämlich nur selten wechseln. Letztens hat sie mir schwärmend davon erzählt, wie günstig Tee früher doch gewesen sei und dass sie ja zu gerne wieder mal eine Tasse trinken würde. Auf dem kurzen Rückweg zum Hostel springt mir auf dem sandigen Weg sofort ein glitzerndes Metallstück ins Auge. Es stellt sich als 5-Schillingstück heraus. Seine Prägung verrät mir, dass es bereits seit 1993 im Umlauf ist. Damals, bevor die Inflation größere Scheine notwendig machte, muss es tatsächlich noch einen reellen Wert gehabt haben.

Zurück am Frühstückstisch tauschen John und ich die allmorgendlichen Bekundungen gegenseitiger Freude über die gute Laune, das insgesamt spitzenmäßige Befinden und die jeweiligen Absichten für den Rest des Tages aus. Dann verschwindet er mit einem nach oben gestreckten Daumen und seinem freudestrahlenden “Poa badayee!” (“Cool, bis später!“) auf der Dachterrasse, um sich den Aufgaben seines Hausmeister- und Mädchen-für-alles-Jobs zu widmen. Ich mache mich auf, die Treppe hinunter und verabschiede mich auf dem Weg nach draußen von den übrigen Angestellten und natürlich von der Mama, die mit leicht hochgezogenen Schultern in ihrem Plastikstuhl thront und aus dem schattigen Eingansflur alle Neuankömmlinge am Tor im Blick hat.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle geht dieses Begrüßungs-Spielchen in etwa so weiter. Im Dalla, das mit etwas Glück in Kimara wendet und somit komplett leer zur erneuten Fahrt Richtung Innenstadt ansetzt, wird man dann zunächst zum anonymen Weißen. Scheinbar klappt der Trick bei Touristen ganz gut, denn nicht selten muss ich nach Wechselgeld fragen.
Nachdem man den unumgänglichen Stau in Ubungo hinter sich gelassen hat und bereits nass geschwitzt in Magomeni ankommt, hat man häufig die ein oder andere Handynummer mehr gespeichert. Tansanier sind sehr daran interessiert, Fremde kennenzulernen, und sei es nur, um zu erzählen, dass man auch unbedingt mal nach Deutschland fahren wolle, am liebsten nach Manchester… natürlich ist es dafür wichtig in Kontakt zu bleiben, weshalb man tagtäglich reizende SMS á la “Im fyn, hope u do wel” bekommt. Was auffällt ist, dass ich bisher erst sehr selten nach Geld gefragt wurde. Viel lieber würden viele der Älteren von mir hören, dass ich ihre Kinder bei meiner Rückkehr für eine Weile mit nach Europa nehmen würde, wo sie dann die erstklassige Schulbildung genießen könnten.

Einer der Menschen, zu denen die Beziehung über leicht sinnentfremdete Kurznachrichten hinausgeht, ist der Opa vorm Copyshop. Seit dem wir ein Mal bei ihm einen Stapel Papier zum Malen gekauft haben, erwartet er uns jeden Tag mit einem breiten, zahnlosen Grinsen und der unverzichtbaren Zigarette in der Hand. Bei einer Cola hat er mal erzählt, er rauche nicht nur, was ohnehin gut sei, sondern trinke auch gerne Bier. Allerdings ausschließlich von der Marke Safari. Er sei ja nicht umsonst gelernter Chemiker und wisse über die eine, geheime, aber vor allem gesundheitsfördernde Substanz in diesem besonderen Gerstensaft bescheid, die angeblich sogar der Malaria vorbeuge.

Im Laufe der Zeit konnten wir mit dem spaßigen Kerl einen Deal abwickeln, der uns jetzt eine wöchentlich Gratisration Fehlkopien für das Projekt einbringt.

Mit dem Schritt durch die eiserne Rostpforte beginnt das, was man wohl Arbeit nennen sollte. Allerdings machen die grenzenlose Energie und die Freude der Kinder jede Stunde zur angenehmen, keineswegs ermüdenden Angelegenheit. Im Gegenteil:
Der Unterricht geht gut voran, seit vorletzter Woche erzählen mir alle mit Hilfe erster Verben auf Englisch, dass sie gerade jumping, eating oder sitting sind.
Zudem versuche ich immer öfters, unbeobachtet die vielen lustigen Situationen im Waisenheim zu fotografieren. Und tatsächlich gewöhnen sich die Kinder mehr und mehr an die anfangs so seltsame Kamera, was mir die Möglichkeit gibt, nicht bloß gestellte Gruppenfotos zu schießen, sondern vermehrt die tatsächlich sehenswerten Details festzuhalten. Während Muhadchi sich also mit angeregt schnalzender Zunge und großen Augen einen viel zu großen Schuh über seinen winzigen Fuß zieht, Nu und Faimah mich mit ihrem Steinchenspiel namens Malikia faszinieren, oder Asma einer Gruppe von Kleinkindern singend das ABC beibringt, überlegen Johanna und ich, wie wir den Nachmittag am besten gestalten können.
Für die Kinder war es wahnsinnig fesselnd, wie das bisschen Wasser zusammen mit einem Pinsel und den bunten Töpfchen so wunderbar kräftige Farben auf das Blatt zaubern kann. Kleinigkeiten genügen hier, um für eine Weile vergleichsweise stille Atmosphäre aufkommen zu lassen, in der die Kinder ausprobieren können und jeder für sich seiner Fantasie freien Lauf lässt. Wenn auch die letzten ihr Werk mindestens drei Mal präsentiert haben ertönt irgendwann der Appell zum aufräumen, was nach Vorstellung des Babus leider auch bedeutet, dass die gerade erst getrockneten Bilder von lilafarbenen Häusern, Fußballspielern und Kühen im Mülleimer verschwinden.
Das wird sich jedoch ab Dezember ändern. Dann ist es endlich so weit und UMRA kann seine Pforten im neuen Waisenheim öffnen. Noch laufen die letzten Vorbereitungen für den Umzug und auch unser zukünftiges Klassenzimmer erstahlt bereits in hellem Blau und Gelb, perfektioniert mit grünen Seifenblasen.

Erschöpft aber wissend, wieder etwas geschafft zu haben, macht man sich auf den einstündigen Heimweg. Am morgens so friedlichen Horizont geht die feuerrote Sonne unter. Nach einiger Zeit quälen sich die Dalla Dallas ruckelnd die ersten Hügel hinauf. Ein Blick zurück eröffnet einen ebenso schönen Anblick wie die Szenerie beim Aufstehen: Über das Stadtzentrum stülpt sich eine Glocke aus Smog, deren flimmernde Hülle sich im Schimmern des in der Ferne zu erahnenden Ozeans verliert.

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